4.2. Wirkung und Spielarten von neonazistischer Musik

„Die Texte gaben mir Selbstvertrauen und bauten mich auf, wodurch ich persönliche Rückschläge dachte überspielen zu können. Es fing mit leichter rechter Musik an und steigerte sich zu verbotener und Gewalt verherrlichender Musik. Mit der konnte ich mich bei meinen Freunden profilieren.“208

Den Jugendkulturen wird gemeinhin, je nach ideologischer Herkunft, ein erhebliches Innovations- bzw. Risikopotential für die Gesellschaft zugeschrieben – vor allem auch in politischer Hinsicht.209 Konkret sichtbar wurde dies unter anderem zu Beginn der 1990er Jahre. Die oben dargelegte starke emotionale Bindung von Jugendkulturen zu gewissen Musikproduktionen und Songtexten, hatten zu eben jener Zeit auch VertreterInnen der politischen Rechten erkannt. Ian Stuart, Gründer des Neonazinetzwerks „Blood & Honor“, hob in einem Interview die Wichtigkeit von Musik bei der Rekrutierung von jungen Menschen hervor: „Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden.“210 Diese Einschätzung änderte sich bis in die heutige Zeit nicht. Trotz der Angleichung an Kleidungsstile und Aktionsformen des gesellschaftspolitischen Mainstreams, blieb bei der extremen Rechten eines unverändert: Musik ist – im Gegensatz zu Demonstrationen und Vortragsveranstaltungen – das wirkungsvollste Instrument zur Rekrutierung neuer Anhänger.211 Nicht jeder Jugendliche reagiert beim Hören von Rechtsrock mit reflexiver Übereinstimmung. Jene Musik kann allerdings dann eine Scharnierfunktion einnehmen, wenn Heranwachsende ihre eigenen Meinungen, Erlebnisse und Empfindungen widergespiegelt sehen.212
Wenn junge Erwachsene rassistische Ressentiments bereits verinnerlicht haben, dann kann Musik wie ein initiales Moment wirken. Besonders leicht erreichbar sind demnach vor allem diejenigen Jugendlichen, „bei denen eine Disposition für solche Positionen besteht, die aus der elterlichen Erziehung, dem Kontakt mit Freunden, den Erlebnissen in der Schule oder dem in den Medien gezeichneten Gesellschaftsbild resultieren.“213 Wird darüber hinaus mit Konzerten ein gruppenbezogenes Gemeinschaftsgefühl erzeugt, können zunächst oberflächliche Sympathien zu Überzeugungen werden.214
Sind Verbindungen zum neonazistischen Musikmilieu erst einmal hergestellt, verhält sich die Wirkung jener Musik auf die Rezipienten ähnlich anderer Jugendmusikkulturen. Durch den persönlichen Konsum und das Sammeln jener Musik können Kenntnisse über angesagte Bands und konspirativ anberaumte Treffpunkte in der Clique artikuliert und ausgetauscht werden. Durch angewendetes Expertenwissen kann eine gesteigerte Selbstwirksamkeit innerhalb der Gemeinschaft respektive Kameradschaft erreicht werden. Das Erleben von Zugehörigkeit ist demnach eines der wesentlichen Attraktivitätsmomente dieser Musik. Die Suche nach Anerkennung und Gemeinschaft zieht sich als ein zentrales Motiv durch viele Biografien von Szeneangehörigen.215 Zugleich bedeutet diese Feststellung, dass das gemeinsame Hören menschenverachtender Musik sowohl die soziale Einbindung neonazistischer Szeneangehöriger in diese Strukturen befördert bzw. stabilisiert, als auch zu einer inhaltlichen Identifikation mit den Wertvorstellungen dieser Gruppen beiträgt.216 Konkret dienen die Produktion und der Konsum von neonazistischer Musik nach ELVERICH et al. der …

  • Zugehörigkeit: Übernahme und Verfestigung rechtsextremer Orientierungen,
  • Ideologische Affirmation: Bestätigung der Überzeugungs- und Deutungsmuster,
  • Gewaltförderung: Beitrag zu einer erhöhten generellen Gewaltbereitschaft,
  • Vernetzung: Live-Konzerte schaffen Gemeinschaftserlebnisse und dienen dem Austausch und dem Knüpfen von Kontakten.217

4.3.1. Menschenverachtende Textbotschaften

„Wir sind Nationale Sozialisten und wollen mit intelligent verpackten Texten unseren Beitrag leisten, im Kampf gegen Ungerechtigkeit, Meinungsdiktatur und Unterdrückung der freien Entfaltung der Völker.“218

Musik von und für Neonazis wird definiert über die politischen Inhalte der Lieder. „Sie sind rassistisch und/oder antisemitisch, sind nationalistisch und argumentieren vor allem hinsichtlich der Geschlechterbilder biologistisch. Die entworfenen Gesellschaftsbilder sind autoritär und von sozialdarwinistischen Vorstellungen geprägt. Wiederkehrend wird darin auch der Nationalsozialismus verherrlicht, vor allem die Wehrmacht und die Waffen-SS.“219
Diese bisweilen offen zur Schau gestellte Menschenverachtung wird seit einigen Jahren von einem Teil der neonazistischen Musikszene zunehmend in subtilere Texte verpackt und in alltagsweltliche, persönlich gefärbte Darstellungen gebündelt.220 So werden Themengebiete wie Soziale Ungerechtigkeit, Globalisierung oder Umweltzerstörung oft unterschwellig mit antisemitischen oder rassistischen Thesen aufgeladen.221

„Komplexe gesellschaftliche Probleme werden simpel erklärt, Kriege und die Schattenseiten der Globalisierung pauschal den USA und einer herbeifantasierten ‚jüdischen Weltherrschaft’ in die Schuhe geschoben. Der in der Hardcoreszene seit den Achtzigerjahren weitverbreitete Straight-Edge-Lebensstil (Verzicht auf Drogen, Fleisch und ständig wechselnde Sexualpartner) wird geschickt umgedeutet zu einem Mittel, den ‚gesunden deutschen Volkskörper’ zu erhalten.“222

Mit jener Strategie der Uneindeutigkeit soll ein breiteres Spektrum junger Menschen angesprochen werden, welche sich womöglich nicht explizit für Rechtsrock interessieren würden.223

4.3.2. Vom traditionellen Rechtsrock bis zum Charterfolg

Mit der Wiedervereinigung führte der Weg in die deutsche Neonaziszene meist über einfach produzierten Rechtsrock224 der sich mit plakativen Rassismus und eindeutigen Mordfantasien inhaltlich stark von anderen Genres abgrenzte. Im Fahrwasser der rassistischen Pogrome von Hoyerswerda, Rostock und Mölln sowie der Änderung des Artikel 16 Grundgesetz in Verbindung mit der medialen Betrachtung der „Asylproblematik“ erfuhren Rechtsrockbands zu Beginn der 1990er Jahre einen bisher nicht gekannten Zulauf.225 Mit dem Erstarken der Szene etablierten sich ab 1992 auch Indizierungsmaßnahmen und Beschlagnahmungen von einzelnen Tonträgern sowie staatlich angeordnete Auflösungen von Musikgruppen.226 In der Folgezeit erweiterte sich das musikalische Spektrum enorm. Neben dem klassischen Rechtsrocksound der frühen 1980er Jahre, wurden menschenverachtende Liedtexte zum Ende der 1990er Jahre auch mit Dark-Wave oder Techno transportiert.227

Deutsche Bands des traditionellen Rechtsrock (Auswahl):Landser (Nachf.: Die Lunikoff Verschwörung), Noie Werte, Kategorie C, Sleipnir, Endstufe, Kommando Freisler

Heute können rechtsoffene Heranwachsende zwischen den unterschiedlichsten Musikstilen und -Produktionen wählen, die mittels sozialkritischer und antikapitalistischer Songtexte sowie modern gestalteter Booklets neonazistische und rechtspopulistische Inhalte noch jugendgerechter zu übermitteln versuchen. Derzeit bedienen etwa 160 dezidiert neonazistische Musikgruppen Genres wie Hardcore, Black Metal oder Dark Wave228, Gabber229 oder Hip-Hop.230
Zur Illustration für die eben angedeutete Vielfalt des Rechtsrock sollen nachfolgend die durch Neonazis entdeckten Musikszenen des Hardcore-Punk und Hip-Hop etwas näher betrachtet werden.

Die Musikrichtung Hardcore (HC) entstand Ende der 1970er Jahre in den USA und England als härtere und schnellere Weiterentwicklung des Punkrock. Der Zorn gegenüber den gesellschaftlichen Bedingungen drückte sich in diesem Musikstil aus. Die Texte der zumeist männlichen Bands basierten zu Beginn auf einer linksradikalen bzw. anarchistischen Grundposition.231 Später veränderten viele, auch kommerziell erfolgreiche Bands, ihre inhaltlichen Ausrichtungen und ästhetisches Auftreten. Mit einem stark nach außen gekehrten Gemeinschaftsgefühl, einem bisweilen plakativ vertretenen Sexismus und eindeutig sozial-/nationalchauvinistischen Einstellungen wurden in Verbindung mit dem aggressiven musikalischen Auftreten niedrigschwellige Anknüpfungspunkte für die extreme Rechte geschaffen. Sogenannte White-Power-HC-Bands (WP-HC) bzw. National-Socialist-HC-Bands (NS-HC) – aus dem Spektrum der Autonomen Nationalisten232 – nutzten die inhaltlichen Überschneidungen zur Aneignung jener Stilrichtung. Die eben angesprochene Uneindeutigkeit in Ästhetik und Inhalt traditioneller HC-Punk-Bands erschwert für Außenstehende häufig eine klare Abgrenzung von WP-HC/NS-HC-Gruppen. Aufgrund dieses gelegentlich fließenden inhaltlichen wie äußerlichen Übergangs von nicht-rechter Jugendkultur über rechts-offener bis hin zu extrem rechter Jugendkultur ist eine intensive Auseinandersetzung mit der in Deutschland immer rascher wachsenden und sich immer weiter professionalisierenden NS-HC-Szene233 notwendig.234

Deutsche NS-HC-Bands (Auswahl):Moshpit, Brainwash, Disbeliever, Global Infected, Race Riot, White Aryan Rebels

Ähnlich wie bei der eben beschriebenen Entwicklung des Hardcore-Punk stellt sich die Situation im Hip-Hop dar. Jenes Genre entstand in den 1970er Jahren in US-amerikanischen Ghettos und wurde zunächst ausschließlich von schwarzen MusikerInnen vertreten. Vereinfacht gesagt, war dies auch der Grund, warum Hip-Hop in Deutschland bislang als nicht neonazikompatibel galt.235 Allerdings boten sich erste inhaltliche Überschneidungen zwischen Hip-Hop und Neonazimusik zu Beginn der 2000er Jahre mit dem firmierenden Gangster-Rap an. Einige Künstler lieferten mit übersteigerter Männlichkeit, aggressiven sexistischen und homophoben Äußerungen zahlreiche Anknüpfungspunkte für reimende Neonazis.236 Derzeit scheint es abermals den Autonomen Nationalisten zu gelingen, woran der Rest der extremen Rechte zuvor gescheitert war: die Aneignung des Hip-Hop. Jener aktionsorientierte Teil der Szene sieht in der Entwicklung von „Nationalem Rap“ resp. „NS-Hip-Hop“ einen „ernstzunehmenden Faktor mit Zukunftsperspektive. (…) Mit dieser Musik können wir unseren Wirkungskreis erweitern und somit nationale Inhalte in sämtlichen Jugendkulturen etablieren.“237 Vor allem wollen die neuen Rechten die Sprache und den Kleidungsstil des Hip-Hops nutzen, um die jugendliche Klientel für ihre Sache zu gewinnen.238

Deutsche „National-RapperInnen” bzw. „NS-Hip-Hop-KünstlerInnen“ (Auswahl):n’Socialist Soundsystem, SZU (Sprachgesang zum Untergang), Dee Ex, King Bock, MaKss Damage, Mic Revolt

Gerade der neue Typus Neonazi, in Form der Autonomen Nationalisten, verstand es in der Vergangenheit die Veränderungen innerhalb verschiedener Musikkulturen aufzugreifen, um sich darbietende inhaltliche Schnittmengen für neonazistische Propaganda zu nutzen.

In diesem Zusammenhang weisen vor allem die in der Vergangenheit als nicht rechts verstandene Musikrichtungen wie Hip-Hop oder Hardcore-Punk Anfälligkeiten für die Produktionen anti-demokratischer Inhalte auf. Dies wiederum lässt eben jene Genres durchaus auch für rechts-offene Jugendliche interessant erscheinen.

Wollen Bibliotheken diskriminierende Textbotschaften zum Anlass nehmen, eine aktive Auseinandersetzung mit musikhörenden Kindern und Jugendlichen anzustrengen, müssen sie entsprechende Kenntnis über Gruppen/KünstlerInnen und deren Botschaften erlangen. Dies ist vor allem bei Charterfolgen schwierig, da der kommerzielle Erfolg womöglich ein genaues Hinhören sowohl bei Rezipienten als auch von bibliothekarischen Fachkräften überlagert. Um sich ein Gesamtbild einer bestimmten Musikgruppe zu erarbeiten, müssen BibliothekarInnen möglicherweise hinter eine bestimmte, eventuell auch fremdsprachige Textaussage, blicken.

An zwei konkreten Beispielen soll deswegen kurz aufgezeigt werden, wie Bands und Künstler trotz demokratiefeindlicher Inhalte, Charterfolge feiern können. Zunächst wird dazu die Rockband Frei.Wild und hiernach die Gangsta-Rapper B-Tight, Fler und Bushido betrachtet.

Frei.Wild

„Wo soll das hinführen, wie weit mit uns gehen – Selbst ein Baum ohne Wurzeln kann nicht bestehen – Wann hört ihr auf, eure Heimat zu hassen – Wenn ihr euch ihrer schämt, dann könnt ihr sie doch verlassen – Du kannst dich nicht drücken, auf dein Land zu schauen – Denn deine Kinder werden später darauf bauen – Sprache, Brauchtum, und Glaube sind Werte der Heimat – Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk“ (Textauszug aus dem Lied Wahre Werte vom Frei.Wild-Album „Gegengift“)

„Die Band ‚Frei.Wild’ bezieht in einigen ihrer Lieder ganz klar Position für die Loslösung Südtirols von den italienischen Besatzern und vertritt auch sonst gesunde nationale Werte.“239 (Reaktion auf den Text des Songs Wahre Werte der Neonazigruppierung „Freies Netz Süd“)

Die aktuell sehr erfolgreiche240 Deutschrockband Frei.Wild bedient mit ihren Liedern das Feld einer sogenannten patriotischen Popkultur. Die aus Brixen, in Südtirol, stammende Gruppe, geriert sich als unpolitisch und wirbt öffentlich mit dem Slogan „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus“.
Auf Grundlage der oft kritisierten Extremismustheorie241 setzen Frei.Wild in einem ihrer Texte Adolf Hitler und Karl Marx gleich242 und tragen somit zur Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen bei. Durch jene Vorgehensweise erhofft sich die Band den Zugang zu einem breiteren und womöglich ebenso vermeintlich unpolitischen Publikum.243 Trotz der vorgeblich nicht-politischen Botschaften bedient die Band in ihren Texten aggressiv nationalistisch-völkische Stereotype244 oder singt über islamfeindliche Abschottungsphantasien.245 Kritiken an den publizierten Inhalten werden von der Band und deren Fans als eine große Verschwörung der „linken Gutmenschen“ diskreditiert.246 Aus dieser Haltung heraus versucht die Band sich im „Wir-gegen-Euch“-Gestus der „Unangepassten“ gegen das (politische) System zu etablieren. „Um ihren kommerziellen Erfolg trotzdem nicht zu gefährden, greifen sie zur in der Szene nicht unüblichen Taktik, sich lautstark gegen ‚Nazi-Sein’ zu verwehren, um zugleich rechtsaffine Inhalte ungestört verbreiten zu können.“247 Sänger und Kopf der Band Philipp Burger, dessen neonazistische Vergangenheit mit der Beschreibung „Jugendsünde“ entschuldigt wird248, wird von den zumeist jugendlichen Fans durchaus als rebellierendes Vorbild angesehen. „Frontmann Burger ist der erste Rechtsrockstar im klassischen Sinne, denn sein Wirken ist auf keine Szene beschränkt, er erreicht auch das bürgerliche Spektrum (…).“249

Differenziert betrachtet, stellt Frei.Wild keine Neonaziband im klassischen Sinne dar. Trotzdem bietet sie durch den nach außen getragenen Habitus und publizierte Textinhalte für die Neonaziszene eine Schnittstelle zu (mehr oder weniger) rechtsoffenen Jugendlichen.250

Fler, B-Tight, Bushido
Den kommerziell sehr erfolgreichen Gangsta-Rap-Labels Aggro Berlin (heute Aggro.TV), Ersguterjunge und Maskulin ist es in der Vergangenheit gelungen, mit Künstlern wie Fler, B-Tight oder Bushido, sexistische, gewaltverherrlichende und nationalistische Texte im mehrheitsfähigen Hip-Hop zu verankern.

„Durch die Konstruktion des deutschen Bad Boy, Fler, tauchten erstmals nationalgeprägte Symbole im Mainstream-Hip-Hop auf, die zum Teil auf Kritik stießen. Rassistische Äußerungen im Hip-Hop begannen nicht erst mit Fler, wurden durch seine mediale Inszenierung jedoch einer breiten Massen zugänglich, vor allem jungen Konsumenten.“251

Das Album „Neger Neger“ des Rappers B-Tight, welches auch in einigen Öffentlichen Bibliotheken zum Medienbestand gehört, wurde beispielsweise von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) – wie auch viele andere Alben von Künstlern des Labels Aggro Berlin252 – indiziert. Der Tonträger wurde aufgrund seiner rassistischen und sexistischen Texte im Zusammenhang mit schwarzen Männern253 auf die Liste A gesetzt und darf seit dem 30. April 2008 Jugendlichen unter 18 Jahren nicht zugänglich gemacht werden. Ebenso wie Fler und B-Tight, steht auch der sehr erfolgreiche Gangsta-Rapper Bushido für seine diskriminierenden Texte und Handlungen in der öffentlichen Kritik. Neben stark sexistischen, homophoben und gewaltverherrlichenden Aussagen, stellt sich zudem ein latent vorgetragener Antisemitismus bei Bushido ein. Derzeit bebildert der Rapper sein Twitter-Account254 mit einer Karte des Nahen Ostens mit dem Schriftzug „Free Palestine“. Die Karte zeigt nicht die Westbank und den Gazastreifen, sondern das gesamte „Heilige Land“ – die Palästinenser-Gebiete und Israel – in Nationalfarben der Palästinenser.
Bushido zieht somit eine friedliche Zweistaatenlösung nicht in Betracht und negiert demzufolge den völkerrechtlich verankerten Fortbestand des Staates Israel.
Den unterschiedlichen Gangsta-Rap-Labels ist es durch die Vielzahl an KünstlerInnen mit stark demokratiefeindlichen Textaussagen nicht nur gelungen, Hip-Hop und bekennende jugendliche Neonazis, wie bereits erwähnt, zu versöhnen255 sondern auch veritable Schnittmengen zwischen Mainstream-Hip-Hop und dezidiert neonazistischem Sprechgesang zu erzeugen.

  1. Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland Pfalz (Hrsg.): Erfahrungsbericht eines Aussteigers mit rechter Musik. URL https://secure.komplex-rlp.de/home/jugendliche/erfahrungsberichte/einstieg_ueber_die_musik/index.phtml?PHPSESSID=zeinxsllwf, Aktualisierung: n.e. []
  2. Vgl. Heyer, Robert et al. (Hrsg.): Handbuch Jugend, Musik, Sozialisation. Wiesbaden : Springer VS, 2013. S. 395 f. []
  3. Stuart in einem Fernsehinterview. Zitiert nach Sposito, Romano: Einstiegsdroge Musik : wie NPD & Co. versuchen Jugendliche zu ködern. [gekürzte] URL http://bit.ly/151FZMK, Aktualisierung: 2007. []
  4. Vgl. Staud, Toralf et al.: Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2012. S. 86 sowie Kuban, Thomas: Blut muss fließen. Frankfurt am Main [u.a.] : Campus Verl.; 2012. S. 10 []
  5. Auch Rechtsrockbands sind durchaus in der Lage, Lieder ohne klassische Neonazi-Themen zu produzieren. Demnach drücken sie mit ihren Liedern Alltagsgefühle aus, „haben mal Liebeskummer oder merken, dass sie älter werden. Rechtsradikale Bands machen nicht ausschließlich politischen Message-Rock.“ Raabe, Jan: Rechtes Liedgut auf Schulabschlussfeier. URL http://www.sueddeutsche.de/panorama/rechtes-liedgut-auf-schulabschlussfeier-bei-der-extremen-rechten-wird-das-ein-hoehnisches-grinsen-ausloesen-1.1423722, Aktualisierung: 2012. Dazu auch Elverich, Gabi et al.: Rechtsextreme Musik : ihre Funktionen für jugendliche HörerInnen und Antworten der pädagogischen Praxis. Halle : Dt. Jugendinst., Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, 2009. S. 32 []
  6. Sposito, Romano: Einstiegsdroge Musik : wie NPD & Co. versuchen Jugendliche zu ködern. URL http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41758/einstiegsdroge-musik?p=all, Aktualisierung: 2007 []
  7. Vgl. Kuban, Thomas: Blut muss fließen. Frankfurt am Main [u.a.] : Campus Verl., 2012. S. 10 []
  8. Vgl. Elverich, Gabi et al.: Rechtsextreme Musik : ihre Funktionen für jugendliche HörerInnen und Antworten der pädagogischen Praxis. Halle : Dt. Jugendinst., Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, 2009. S. 45 []
  9. Vgl. ebd. S. 59 []
  10. Vgl. ebd. S. 76 []
  11. Aussage der deutschen NS-Hardcore-Band Moshpit. Zitiert nach Kampagne „National Socialist Hardcore ausschalten“ (Hrsg.): „National Socialist Hardcore“ : Begleitmusik zur Modernisierung rechter Erlebniswelten, Diskurspiraterie und Enteignungsstrategien. URL https://www.antifainfoblatt.de/artikel/»national-socialist-hardcore«, Aktualisierung: 2010. []
  12. Mair, Birgit (Hrsg.): Strategien gegen Neonazismus und Rassismus : unter besonderer Berücksichtigung der Jugendarbeit. URL http://www.isfbb.de/download/Buch_ISFBB-Strategien-gegen-Neonazismus.pdf, Aktualisierung: 2012. S. 73 []
  13. Vgl. Elverich, Gabi et al.: Rechtsextreme Musik : ihre Funktionen für jugendliche HörerInnen und Antworten der pädagogischen Praxis. Halle : Dt. Jugendinst., Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, 2009. S. 45 []
  14. Vgl. Staud, Toralf et al.: Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2012. S. 90 []
  15. Ebd. S. 90 []
  16. Vgl. Elverich, Gabi et al.: Rechtsextreme Musik : ihre Funktionen für jugendliche HörerInnen und Antworten der pädagogischen Praxis. Halle : Dt. Jugendinst., Arbeits- und Forschungsstelle Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, 2009. S. 45 und Staud, Toralf et al.: Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2012. S. 90 []
  17. Zu dessen stilistischen Vorreiter die englische Rechtsrock-Band Screwdriver gehört. []
  18. Vgl. Lindemann, Frank: Vom Rock ’n Roll zur Skin-Musik. In: Baacke, Dieter et al.: Rock von Rechts. Bielefeld : GMK, 1994. S. 136 f. []
  19. Vgl. Farin, Klaus: Rechtsrock in Deutschland. In: Baacke, Dieter et al.: Rock von Rechts. Bielefeld : GMK, 1994. S. 142 f. []
  20. Siehe hierzu ausführlich Dornbusch, Christian et al.: 20 Jahre Rechtsrock : vom Skinhead-Rock zur Alltagskultur. In: Dornbusch, Christian et al.: Rechtsrock : Bestandsaufnahme und Gegenstrategien. Münster : Unrast-Verl., 2002. S. 19-50 []
  21. Siehe hierzu unter anderem Kunow, Fabian: Darker than brown : Teile der Black-Metal-Szene sind von Rechten unterwandert. URL http://jungle-world.com/artikel/2013/10/47264.html, Aktualisierung: 2013. und Dornbusch, Christian et al.: Spirituelle Bricolagen : Projekte im Dark Wave und Black Metal, In: Speit, Andreas (Hrsg.): „Ohne Juda, ohne Rom“ : Esoterik und Heidentum im subkulturellen Rechtsextremismus. Braunschweig : Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost, Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt, 2007. S.118-142 []
  22. Siehe hierzu unter anderem Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): T, Techno. URL http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/lexikon/t/techno, Aktualisierung: n.e. sowie Fuchs, Dana: Rechtsextreme interessieren sich für die Electro-Szene. URL http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/rechtsextreme-interessieren-sich-fuer-die-electro-szene-aber-diese-nicht-fuer-sie-7564, Aktualisierung: 2010. Darüber hinaus benutzen zumeist junge Neonazis auch andere Subgenres von Techno-Musik um das Interesse von Jugendlichen zu wecken. So wurde beispielsweise eine spontane Demonstration von Autonomen Nationalisten durch die Innenstadt von Rostock mit Hardbass-Musik unterlegt. Die Adaption von sogenannten Hardbass-Flashmobs wird vor allem von der extremen Rechten in osteuropäischen Ländern praktiziert. Siehe hierzu derStandard.at (Hrsg.): Rechtsextreme wollen mit „Hardbass“ Jugendliche rekrutieren. URL http://derstandard.at/1348285647348/Rechtsextreme-wollen-mit-Hardbass-Jugendliche-rekrutieren, Aktualisierung: 2012. []
  23. Vgl. Staud, Toralf et al.: Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2012. S. 86 []
  24. Sterneck, Wolfgang: Hardcore. URL http://www.sterneck.net/musik/hardcore/index.php, Aktualisierung: 1998. []
  25. Unter „Autonomen Nationalisten“ versteht man den aktionsorientierten Teil der Neonaziszene, der sich unter anderem in ihren Aktionsformen und Kleidungsstil vornehmlich an dem der linken Autonomenszene orientiert. []
  26. Vgl. Kampagne „National Socialist Hardcore ausschalten“ (Hrsg.): „National Socialist Hardcore“ : Begleitmusik zur Modernisierung rechter Erlebniswelten, Diskurspiraterie und Enteignungsstrategien. URL https://www.antifainfoblatt.de/artikel/»national-socialist-hardcore«, Aktualisierung: 2010. []
  27. Taler, Ingo: Out of Step : Hardcore-Punk zwischen Rollback und neonazistischer Adaption. Münster: Unrast-Verl., 2012. S. 13 sowie Miteinander e.V. / Arbeitstelle Rechtsextremismus (Hrsg.): Sirenen des Hasses : NS Hardcore aus Sachsen-Anhalt. Magdeburg, 2011. S. 39 []
  28. Vgl. Staud, Toralf et al.: Neue Nazis : jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2012. S. 95 []
  29. Vgl. Bonakdar, Maryam: Rechte Rapper: Neonazis entdecken den Hip-Hop. URL http://www.ndr.de/regional/dossiers/der_norden_schaut_hin/musik/hiphop175.html, Aktualisierung: 2012 []
  30. Nationale Sozialisten Rostock (Hrsg.): Nationaler Rap auf dem Vormarsch. URL http://www.nsfkn.info/?p=883, Aktualisierung: 2012. []
  31. Vgl. Bonakdar, Maryam: Rechte Rapper: Neonazis entdecken den Hip-Hop. URL http://www.ndr.de/regional/dossiers/der_norden_schaut_hin/musik/hiphop175.html, Aktualisierung: 2012 sowie Bisanz, Maja: „Bei Rassismus hört die künstlerische Freiheit auf“. URL https://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/reportagen/bei-rassismus-hoert-die-kuenstlerische-freiheit-auf-2013-06, Aktualisierung: 2013. []
  32. Freies Netz Süd (Hrsg.): „Frei.Wild” und „Freiheit für Südtirol” in Fürth. URL http://www.freies-netz-sued.net/index.php/2010/12/30/freiwild-und-freiheit-fur-sudtirol-in-furth/, Aktualisierung: 2010. []
  33. Goldene Schallplatten für jeweils mehr als 100.000 verkaufte Alben erhielt die Band für die LPs „Gegengift“ und „Feine deiner Feinde“. http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2012/06/18/zum-zweiten-mal-goldstatus-fuer-freiwild.html, Aktualisierung: 2012. []
  34. Vereinfacht dargestellt zielt die Extremismustheorie, ähnlich der Totalitarismustheorie, auf die Gleichsetzung des sogenannten politischen „Rechtsextremismus“ und „Linksextremismus“ ab. Durch die Proklamation von extremistischen Rändern kann sich die sogenannte gesellschaftspolitische Mitte formal von diesen abgrenzen und „von den wahren Gefahren ablenken, „die von oben und aus eben dieser Mitte der Gesellschaft drohen. Damit können sie zugleich ihre eigenen antidemokratischen Gesinnungen und Taten vertuschen, eben weil die Gefahren, die der Demokratie drohen, nur von rechts und natürlich noch mehr von links kommen und nach dem Halbkreis-Modell auch kommen können.“ Wippermann, Wolfgang: Politologenbetrug : Ideologiekritik der Extremismuslegende. URL http://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Standpunkte/Standpunkte_10-2010.pdf, Aktualisierung: 2010. S. 7 außerdem Butterwegge, Christoph: Die Entsorgung des Rechtsextremismus. In: Blatter für deutsche und internationale Politik (2010) Nr. 1, S. 12-15 []
  35. Siehe hierzu den Text zum Lied „Das Land Der Vollidioten“ (Hart am Wind. München : Rookies & Kings, 2009). []
  36. Vgl. Sieber, Roland: Völkische Deutsche okkupieren identitaire Ideologie. URL http://www.publikative.org/2012/12/14/volkische-deutsche-okkupieren-identitaire-ideologie/, Aktualisierung: 2012. []
  37. Vgl. Kuban, Thomas: „Rechtsrock als Einstiegsdroge“ In: Melodie und Rhythmus (2013), März/April, S. 46 f. []
  38. Vgl. Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Zwischen Propaganda und Mimikri : Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken. URL http://www.netz-gegen-nazis.de/files/Netz%20gegen%20Nazis2.0%20Internet.pdf, Aktualisierung: 2011. S. 26 []
  39. Vgl. Benneckenstein, Felix: Frei.Wild und die Gutmenschen-Verschwörung. [gekürzte] URL http://bit.ly/14hgXHt, Aktualisierung: 2013 sowie Benneckenstein, Felix: Was sollen „wir“ nur mit „euch“ machen? : über den schwierigen Umgang mit Frei.Wild und ihren Fans. [gekürzte] URL http://bit.ly/1aOWhd1, Aktualisierung: 2013. []
  40. Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Zwischen Propaganda und Mimikri : Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken. URL http://www.netz-gegen-nazis.de/files/Netz%20gegen%20Nazis2.0%20Internet.pdf, Aktualisierung: 2011. S. 26 []
  41. Vgl. ebd. []
  42. Kuban, Thomas: Blut muss fließen. Frankfurt/M. : Campus Verl., 2012. S. 302 und außerdem in detaillierter Auseinandersetzung Publikative.org (Hrsg.): Kein Frei.Wild! URL http://www.publikative.org/2012/10/26/kein-frei-wild/, Aktualisierung: 2012. []
  43. Vgl. Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.): Zwischen Propaganda und Mimikri : Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken. URL http://www.netz-gegen-nazis.de/files/Netz%20gegen%20Nazis2.0%20Internet.pdf, Aktualisierung: 2011. S. 26 []
  44. Güler Saied, Ayla: Rap in Deutschland : Musik als Interaktionsmedium zwischen Partykultur und urbanen Anerkennungskämpfen. Bielefeld : Transcript-Verl., 2012. S. 47 []
  45. Vgl. Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (Hrsg.): Hip-Hop-Musik in der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien : rechtliche Bewertung und medienpädagogischer Umgang. URL http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/bpjm-thema-hiphop-broschuere-2008,property=pdf,bereich=bpjm,sprache=de,rwb=true.pdf, Aktualisierung: 2008. []
  46. Vgl. Brothers Keepers (Hrsg.): Das Schweigen brechen. URL http://www.brotherskeepers.org/data/bk_pm1.pdf, Aktualisierung: 2007. S. 2 []
  47. https://twitter.com/Bushido78, Stand: 27.07.2013. []
  48. Vgl. Rosa, Lisa et al.: Neue Strategien und Praktiken des Rechtsextremismus. In: Edelstein, Wolfgang et al. (Hrsg.): Beiträge zur Demokratiepädagogik : eine Schriftenreihe des BLK-Programms: „Demokratie lernen & leben“. Berlin, 2005. S. 8 []

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