3. Werteorientierte Medienkompetenzförderung für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche treffen auf dem Weg zum Erwachsenenalter auf die unterschiedlichsten Medienarten und damit verbundenen Inhalte. Täglich neu informieren sich die Jüngsten der Gesellschaft über „klassische Informationsmedien wie Fernsehen, Radio, Zeitungen/Zeitschriften und Bücher aber zusätzlich und vor allem über eine Fülle unterschiedlicher Onlinequellen, die Internetauftritte von massenmedialen Angeboten ebenso integrieren wie interessengebundene Quellen, zum Beispiel Online-Seiten von politischen oder weltanschaulichen Organisationen oder kommerziellen Seiten, die Waren jedweder Art anpreisen, und Online-Räume, in denen Privatpersonen kundtun, was ihnen wichtig ist und dazu Position beziehen.“88  Kinder und Jugendliche können somit, ebenso wie die ältere Generationen, durch die Vielzahl an Offline- wie Onlinemedien nicht nur an Informationen im Allgemeinen gelangen, sondern auch leicht an diskriminierende und menschenverachtende Inhalte. Dabei versuchen nicht nur politische Parteien und Organisationen der extremen Rechten für ihre anti-demokratischen Inhalte zu begeistern. Diskriminierende bzw. chauvinistische Einstellungsmuster, die sich wie bereits in der Einleitung angemerkt auch in der „Allgemeinbevölkerung“ wiederfinden, spiegeln sich in Weblog-Artikeln, Kommentaren bei Online-Zeitungen oder in Pinnwand-Einträgen von Sozialen Netzwerken wider.  Für die fortwährende Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft gilt es deswegen, die Heranwachsenden, die nahezu in ihrer Gesamtheit Zugang zur vernetzten Medienwelt haben, insoweit zu fördern, dass sie die Inhalte entsprechender Publikationen mittels ihrer werteorientierten Kompetenzen kritisch reflektieren und bewerten können, um anschließend selbst Position zu beziehen.

Aus bibliothekarischer Sicht wirft die Aufgabenstellung, Kinder und Jugendliche einerseits durch die Förderung spezifischer Kompetenzen vor problematischen d.h. diskriminierenden und menschenverachtenden Inhalten zu schützen und andererseits zu befähigen selbstständig Standpunkte artikulieren zu können, viele Fragen auf:

  • Inwiefern setzt sich das deutsche Bibliothekswesen im Rahmen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen überhaupt mit der Förderung von Medienkompetenz, als Grundlage der Reflexion von und der Kritik an Medien auseinander?
  • Wurde dieses Problemfeld in seiner dargelegten Form überhaupt als solches erkannt?
  • Wie schwer wiegt in diesem Kontext der Befund aus dem vorhergehenden Kapitel, nämlich der selbstgewählte Entzug des gesellschaftlichen Auftrags von Bibliotheken durch die Implikation des Begriffs „Kunde“?

Unter Berücksichtigung der zuvor genannten Aspekte ergibt sich die Notwendigkeit zu überprüfen, inwiefern Öffentliche Bibliotheken mit ihren Beständen dieser Aufgabe der werteorientierten Förderung der Medienkompetenz, unabhängig einer bestehenden oder nicht bestehenden theoretischen Auseinandersetzung, bereits nachkommen.
Zudem soll im folgenden Abschnitt der grundsätzlichen Frage nachgegangen werden, aus welchen (gesellschaftspolitischen) Gründen Öffentliche Bibliotheken respektive die Bibliothekswissenschaft die Befähigung von Kindern und Jugendlichen überhaupt aufgreifen sollen. Hierzu werden zunächst die soziopolitischen Anforderungen, welche direkt und indirekt an die Bibliotheken als kommunaler Bildungsakteur herangetragen werden betrachtet. Nachfolgend wird die bibliothekarische Sichtweise auf die Förderung einzelner demokratiefördernder Kompetenzen dargelegt sowie eine theoretische Einführung in das Wesen einer werteorientierten Medienpädagogik gegeben.

  1. Theunert, Helga et al.: Jugend und Information in der mediatisierten Gesellschaft. In: Merz, Zeitschrift für Medienpädagogik (2013), Nr. 3, S. 8 []

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*